Letzte Woche war ich auf einer ziemlich langen Velotour. Wir haben ihr den Namen:
„Einfach von A nach B.“
Während dieser Velotour kam mir der Gedanke: Das Leben ist eigentlich genau so.
Es gibt den Start. Es gibt leichte Strecken. Es gibt Abschnitte, die machen richtig Freude. Dann wird es vielleicht anstrengender. Wir werden müde. Wir werden ungeduldig. Wir fragen uns vielleicht kurz, warum wir eigentlich auf die Idee gekommen sind, so weit zu fahren. Und irgendwann wird es wieder leichter. Wir kommen am Ziel an.
Und wenn wir zurückblicken, sagen wir: Was für ein schöner Tag. Obwohl längst nicht jeder Kilometer schön war.
Und genau davon möchte ich dir heute erzählen.
Ich hatte mir für diese Tour etwas vorgenommen: Ich möchte einfach wahrnehmen, was da ist, ohne es sofort zu bewerten.
Nicht: Das muss jetzt schön sein. Oder: Ich sollte mehr Energie haben. Oder: Warum bin ich jetzt müde? Sondern einfach: Was ist gerade da? Mir gefiel dieser Gedanke und es schärfte noch mehr meinen Blick und meine Aufmerksamkeit.
Als wir losgefahren sind, habe ich mich richtig gut gefühlt. Ich war voller Vorfreude. In meinem Kopf fühlte es sich frei an. Mein Körper fühlte sich gut an. Ich war offen, aufmerksam und neugierig. Die Temperatur war angenehm, sogar ein bisschen frisch. Alles fühlte sich leicht an.
Ich habe die Gegend wahrgenommen. Die Aussicht. Die Umgebung. Die Menschen. Das gemeinsame Fahren.
Die ersten ungefähr 80 Kilometer fühlten sich tatsächlich leicht an. Die Kilometer kamen fast von allein. Ich schaute auf den Tacho und dachte: Ach, schon wieder zehn Kilometer. Und plötzlich sind es zwanzig. Dann dreissig. Dann vierzig. Und irgendwann dachte ich: Das läuft ja richtig gut!
Ich war neugierig auf die Umgebung.
Was kommt als Nächstes?
Wie sieht die Landschaft aus?
Wie lange werde ich diese Energie haben?
Wie fühlt sich der nächste Abschnitt an?
Mein Partner hat mich irgendwann nach meinem Energielevel gefragt. Und ich fand diese Frage richtig gut. Nicht im Sinne von: Was ist denn los mit dir? Sondern einfach: „Wie ist dein Energielevel gerade?“
Ich habe kurz innehalten und gespürt: Wo bin ich eigentlich gerade? Nicht nur körperlich. Auch innerlich.
Wie viel Energie habe ich?
Wie viel Geduld?
Wie viel Offenheit?
Wie viel Freude?
Wie viel Lust?
Vielleicht ist das eine ganz einfache Frage, die wir uns im Alltag viel öfter stellen könnten. Nicht um uns zu bewerten. Sondern um wahrzunehmen: Wo bin ich gerade?
Dann gönnten wir uns eine Mittagspause, mmmhhh…feine Spaghetti. Eine Pause und etwas Gutes zu essen.
Nur ... Der Wiedereinstieg war nicht ganz so beschwingt wie der Start. Ich musste wieder in den Rhythmus kommen. Es war und fühlte sich plötzlich viel heisser. Die Landschaft war nicht mehr ganz so spannend. Der Körper wurde müder. Und nahm war, wie sich in meinem Kopf etwas veränderte.
Die Leichtigkeit war nicht mehr dieselbe. Ich wurde ungeduldiger. Die Kilometer fühlten sich länger an. Und der Körper musste deutlich mehr arbeiten. Und da fand ich es besonders spannend, mich selbst zu beobachten.
Denn es war da nicht mehr diese offene: „Oh, mal schauen, was noch kommt!“ Stattdessen eher: „Wie lange geht das jetzt noch?“
Und dann kam auch noch der Wind. Gegenwind natürlich. Weil es offenbar noch ein kleines Extra brauchte. Bei voller Energie denkt man: Ach, ein bisschen Wind. Bei weniger Energie denkt ich: Muss das jetzt auch noch sein?
Da fiel mir auf, dass: Meine Wahrnehmung sich verändert hatte. Die Umgebung war nicht plötzlich grundsätzlich anders, aber ich nahm sie anders wahr. Weil ich weniger Energie hatte. Spannend.
Hör gerne rein, wie es weitergeht...