Weniger Rollen – mehr Ich

In letzter Zeit habe ich etwas spannendes beobachtet.

Wenn ich Menschen begegne – ganz egal, ob wir uns schon kennen oder gerade erst kennenlernen – spreche ich viel selbstverständlicher über meinen Podcast. Von meiner Selbständigkeit. Von den Ideen und Projekten, die gerade in meinem Leben entstehen.

Und jedes Mal denke ich: Wie schön ist das eigentlich? Weil ich merke, dass ich mich nicht mehr verstecken möchte.

Lange Zeit habe ich gewisse Träume, Ideen oder Wünsche eher für mich behalten. Vielleicht aus Vorsicht.

Heute fühlt es sich anders an. Heute erzähle ich von dem, was mich bewegt, weil es zu mir gehört. Weil es ein Teil meines Weges ist. Und weil ich Freude daran habe.

Je offener ich damit umgehe, desto häufiger begegne ich Menschen, die Ähnliches erzählen.

"Früher hätte ich mich das nicht getraut."

"Früher habe ich viel mehr darüber nachgedacht, was andere denken."

"Früher wollte ich gefallen."

Menschen, die ihren eigenen Weg gehen. Menschen, die mutiger geworden sind. Menschen, die irgendwann beschlossen haben, sich nicht länger kleiner zu machen als sie sind.

Genau daraus ist diese Folge entstanden:

Was verändert sich eigentlich, wenn wir beginnen, uns zu zeigen? Woran liegt das eigentlich? Warum fällt es uns manchmal leichter, einfach wir selbst zu sein?

Natürlich habe ich mir die Frage gestellt, ob das mit dem gereiften Altern zu tun hat. Ja, bestimmt auch aber das Alter ist für mich auch einfach eine Zahl. Sie beschreibt einen Abschnitt meines Lebens. Sie sagt noch nicht alles über mich, wer ich wirklich bin.

Viel spannender finde ich die Erfahrungen, die wir machen. Die Wege, die wir gehen. Die Herausforderungen, die wir meistern. Die Erkenntnisse, die wir sammeln. Liegt es darin, dass wir uns selbst immer besser kennenlernen.

Dass wir beginnen zu erkennen, welche Rollen wirklich zu uns gehören und welche wir irgendwann übernommen haben. Es gibt einige die wir tragen:

Die Rolle der Starken.

Die Rolle der Angepassten.

Die Rolle der Vernünftigen.

Die Rolle der Helfenden.

Und viele dieser Rollen haben uns gute Dienste geleistet.

Doch irgendwann habe ich begonnen zu bemerken, dass manche davon unglaublich viel Energie kosten und mir nicht mehr ganz entspreche.

Ich wusste das vielleicht schon lange. Aber bewusst geworden ist es mir erst mit der Zeit. Zwischen Wissen und Bewusstsein liegt manchmal eine kleine Welt.

Heute interessiert mich bei Menschen etwas ganz anderes als früher.

Wenn ich jemanden kennenlerne, interessiert mich seine Geschichte.

Was hat diesen Menschen geprägt?

Welche Wege ist er gegangen?

Woran ist er gewachsen?

Was hat ihn berührt?

Denn Geschichten verbinden uns.

Viel mehr als Zahlen.

Viel mehr als Titel.

Viel mehr als Rollen.

Und vielleicht ist genau das der Grund, weshalb ich heute so gerne von meinen Geschichten erzähle. Weil sie meine Geschichte ist.

Sie gehört zu mir.

So wie meine Erfahrungen zu mir gehören.

So wie meine Träume zu mir gehören.

So wie meine Umwege zu mir gehören.

Ich habe aufgehört, sie zu verstecken.

Auch in meiner Arbeit und in der Begleitung von Menschen begegnet mir dieser Gedanke immer wieder.

Viele Menschen glauben, sie müssten noch mehr werden. Noch besser werden. Noch weiter kommen.

Doch oft entsteht die grösste Veränderung dort, wo wir aufhören, etwas darstellen zu müssen.

Vielleicht bedeutet Blühen gar nicht, mehr zu werden. Vielleicht bedeutet Blühen, immer weniger von dem sein zu müssen, was wir gar nicht sind.

Vieles in unserem Leben braucht Energie. Doch besonders viel Energie braucht oft das, was nicht ganz zu uns gehört. Entsteht genau deshalb so viel Leichtigkeit, wenn wir beginnen, uns selbst näherzukommen. Wenn wir erkennen, was wirklich unseres ist. Was uns entspricht. Was uns lebendig macht. Was bleiben darf.

Für mich ist das keine einmalige Erkenntnis.

Sondern ein Weg. Ein Weg, auf dem ich immer wieder neu entdecke, wer ich bin und was wirklich zu mir gehört.

Und vielleicht möchtest du dir nach dieser Folge einfach eine Frage stellen:

Welche Rollen in meinem Leben gehören wirklich zu mir? Und welche darf ich vielleicht langsam loslassen?

Von Herzen alles Liebe und bis zum nächsten Mal.