In einem Gespräch letzte Woche fiel irgendwann dieser Satz: „Esoterik ist nichts für mich.“
Ich musste innerlich ein bisschen schmunzeln, weil dieser Satz für mich immer so endgültig
klingt. Fast so wie: „Nein danke, ich esse keine Oliven.“
Und gleichzeitig fand ich den Satz spannend. Weil Worte wie Esoterik oder Spiritualität bei
vielen Menschen sofort etwas auslösen.
Jeder hat direkt ein Bild im Kopf.
Räucherstäbchen.
Kristalle.
Vollmondrituale.
Oder Menschen, die plötzlich nur noch in Energien sprechen und nie mehr in ganzen Sätzen.
Ich verstehe das sogar.
Es gibt in diesen Bereichen — wie überall — Menschen, bei denen man selbst kurz denkt:
Okay… wir verlieren langsam den Kontakt zur Erde.
Aber darum geht’s mir eigentlich gar nicht.
Mich interessiert vielmehr: Warum reagieren wir so stark auf gewisse Begriffe? Denn wenn
man ehrlich ist, erleben wir Dinge, die man vielleicht spirituell nennen könnte, ständig.
Wir betreten einen Raum und spüren sofort die Stimmung. Wir merken bei manchen
Menschen direkt: Hier fühle ich mich wohl. Oder eben: Hier möchte ich nach sieben Minuten
wieder gehen.
Wir sagen:
„Das fühlt sich richtig an.“
„Irgendwas stimmt nicht.“
„Diese Person zieht mir Energie.“
Und niemand verlangt in diesen Momenten plötzlich eine PowerPoint-Präsentation mit
wissenschaftlicher Auswertung.
Wir fühlen Dinge. Permanent.
Genau deshalb frage ich mich manchmal: Spielt es wirklich so eine grosse Rolle, wie wir
es nennen? Ob jemand Spiritualität sagt. Intuition. Bauchgefühl. Energie. Wahrnehmung.
Vielleicht geht es am Ende viel weniger um den Begriff — und viel mehr darum, ob wir uns
selbst überhaupt noch spüren.
Denn ich habe den Eindruck, dass genau das vielen Menschen langsam verloren geht.
Wir sind permanent im Kopf.
Analysieren.
Vergleichen.
Optimieren.
Googeln.
Schauen noch schnell ein Video: „5 Wege zu mehr innerer Ruhe“ — von jemandem, der
selbst aussieht, als hätte er seit Jahren nicht tief durchgeatmet.
Und gleichzeitig entfernen wir uns immer mehr von dieser leisen inneren Stimme, die
eigentlich die ganze Zeit da wäre. Nicht laut. Nicht dramatisch. Eher subtil.
Dieses kleine Gefühl von:
Das tut mir gut.
Das fühlt sich eng an.
Hier stimmt etwas nicht.
Hier zieht sich etwas zusammen.
Oder: Hier werde ich ruhig.
Und ich glaube ehrlich gesagt, dass viele Menschen nicht Angst vor Spiritualität haben.
Sondern davor, sich selbst wirklich zu begegnen.
Denn das klingt zwar schön — „mehr mit sich selbst verbunden sein“ — aber wenn man
ehrlich ist, bedeutet das auch: sich selbst wahrnehmen. Das ist nicht immer bequem oder
fühlt sich auf jeden Fall nicht immer so an.
Zu merken: Ich bin eigentlich müde. Ich bin überfordert. Ich verstelle mich. Ich sage ständig
Ja, obwohl alles in mir Nein schreit.
Das spürt man oft zuerst im Gefühl — lange bevor der Kopf bereit ist, es zuzugeben.
Verunsichert uns genau das?
Unser Körper ist oft ehrlicher ist als unsere Gedanken. Wir fühlen Dinge, bevor wir sie
erklären können.
Ich habe das Gefühl, wir haben gelernt, unserer Wahrnehmung weniger zu vertrauen als
allem im Aussen. Einer Meinung. Einem Trend. Einem Experten. Irgendjemandem mit
Mikrofon und sagt wie: „Werde die höchste Version deiner selbst in drei Schritten.“
Aber wie oft hatten wir selbst eigentlich schon recht?
Wie oft hatten wir bei Menschen ein Gefühl… und wollten es uns ausreden? Wie oft wussten
wir innerlich längst, dass etwas nicht stimmt — und haben trotzdem versucht, es logisch
schönzureden? Ich glaube, genau dort beginnt für mich Spiritualität.
Nicht in grossen Aussagen. Nicht im Abheben. Nicht darin, allem blind zu glauben. Sondern
vielleicht einfach darin, wieder mehr Vertrauen in sich selbst zu entwickeln. In die eigene
Wahrnehmung. In das eigene Gefühl. In dieses leise innere Wissen, das oft komplett
untergeht im ganzen Lärm.
Und vielleicht müssen wir dafür gar nicht erst entscheiden, ob wir spirituell sind oder nicht.
Ohne sofort Angst zu haben, komisch zu wirken. Ohne alles beweisen zu müssen. Ohne für
jedes Gefühl eine logische Erklärung zu brauchen. Manche Dinge verstehen wir nicht zuerst
im Kopf, sondern nachdem man sie schon längst gefühlt hat. Ich finde wir sind alle irgendwie
spirituell, nur nennen wir es einfach unterschiedlich.
Falls euch diese Folge heute zu spirituell war — dann trinkt ein Glas Wasser, atmet drei tief ein und aus und sagt einfach: Die Vibes waren trotzdem stabil.