Heute nehme ich dich mit in ein Thema, das mich – wenn ich ehrlich bin – schon mein ganzes Leben begleitet. Und als ich diese Folge gemacht habe, ist es mir noch klarer und bewusster geworden.
Es geht um Räume.
Räume um uns.
Und Räume in uns.
Wenn ich darüber nachdenke, beginnt diese Geschichte schon in meiner Jugend.
Als Teenager habe ich es geliebt, meinen Vater auf Baustellen zu begleiten. Neue Häuser, neue Wohnungen – Räume, die gerade erst entstanden sind, umgebaut wurden oder einfach einen neuen Boden bekommen haben.
Ich war jedes Mal unglaublich neugierig.
Wo und wie sieht die Küche aus?
Wo das Wohnzimmer? Das Schlafzimmer? Und das Bad?
Wie fühlt sich ein Raum eigentlich an, wenn er noch ganz leer ist?
Ich bin durch diese halbfertigen Räume gelaufen und hatte eine ziemlich klare Meinung davon, ob ich das jetzt gut fand oder nicht – auch wenn mich niemand danach gefragt hat.
Gleichzeitig war da auch eine stille Möglichkeit. Als würde noch alles offen sein.
Als meine Familie selbst ein Haus gebaut hat, war das für mich etwas ganz Besonderes. Etwas Großes.
Wir sind immer wieder auf die Baustelle gegangen und haben geschaut, wie es weitergeht.
Wie aus Linien auf einem Plan langsam ein Zuhause wird.
Ich mag mich noch so gut an einen bestimmten Moment erinnern.
Das Haus war fertig.
Ich war in meinem kleinen Zimmer. Alles aus Holz. Der Boden mit Teppich belegt.
Ich lag auf dem Boden, habe meine neue Mini-Anlage eingeschaltet…
und dann lief sie rauf und runter. Immer wieder dieselbe Musik.
Münchner Freiheit & Westernhagen.
Und ich weiss noch, wie ich einfach da lag und gehört habe.
Begleitet von diesen Gefühlen.
Ruhe.
Geborgenheit.
Zuhause.
Ganz still und ganz klar.
Rückblickend finde ich es fast ein bisschen erstaunlich, dass ich mich damals nicht für eine Ausbildung in der Einrichtungs- oder Raumgestaltung entschieden habe.
Und gleichzeitig… hat mich dieses Thema nie wirklich losgelassen.
Mit Mitte zwanzig habe ich mich entschieden, Graubünden zu verlassen.
Ich wollte raus.
Neue Räume sehen.
Ein bisschen mehr Weite.
Meine Reise führte mich nach Zürich.
Ja, es war fast logisch, dass ich dort in die Einrichtungsbranche eingestiegen bin. Ich wollte Räume gestalten. Räume erschaffen. Begleitend die Wohnberaterschule in Bern besucht.
Und trotzdem… hat das Leben nochmal eine andere Richtung genommen.
Ich habe die Möglichkeit bekommen, mich beruflich zu verändern.
Bin in die Führung gegangen. Die Räume verlassen? Nein, ich bin Ihnen treu geblieben.
Nur… es waren plötzlich andere Räume.
Innere Räume.
Ich begann, mich mehr mit Menschen zu beschäftigen. Mit ihren Geschichten. Mit ihren Verhalten. Mit dem, was sie bewegt.
Mit Gedanken und Gefühlen, die oft gar nicht so sichtbar sind.
Und ich habe gemerkt, wie spannend das ist.
Wie unterschiedlich diese inneren Räume sein können.
Manche sind weit und offen.
Andere eher still und ruhig.
Geschützt.
Einige Räume entdeckt man vielleicht erst viel später im Leben.
Als wir vor einigen Jahren unser heutiges Haus gekauft haben, begann wieder ein ganz neuer Prozess.
Räume neu denken.
Neu gestalten.
Neu beleben.
Und diesmal kam noch etwas dazu: die Farben.
Wie wirkt ein Raum, wenn sich die Farbe verändert?
Was macht das mit der Stimmung?
Und auf diesem Weg bin ich auf etwas neues gestoßen, das mich faszinierte.
Die Idee der Raumsprache. Dass Räume etwas erzählen.
Dass sie eine Wirkung haben.
Eine Stimmung.
Vielleicht sogar so etwas wie eine eigene leise Botschaft.
Und vielleicht kennst du das auch.
Du kommst in einen Raum – und fühlst dich sofort wohl.
Oder du trittst irgendwo ein und merkst… irgendetwas ist anders.
Ohne dass du genau sagen kannst, was es ist.
Welche Räume entdeckst du gerade wieder oder neu? Oder du spürst welcher sich in dir gerade zeigt. Oder vielleicht schon lange darauf wartet, dass du ihn wieder betrittst.
So schön, warst du heute in diesem Raum mit mir dabei.
Ich danke dir herzlichst!