Heute nehme ich dich mit auf eine Reise.
Eine Reise, die viele Jahre zurückliegt und die doch bis heute in mir nachklingt.
Ich komme gerade zurück von meinen zwei Wochen Ferien. Zeit zum Durchatmen, zum Innehalten. In dieser Zeit musste ich plötzlich an eine ganz bestimmte Reise denken – meine erste große Reise alleine.
Ich war damals 22 Jahre alt.
Ich wusste eines ganz sicher:
Ich wollte etwas sehen von dieser Welt. Etwas Neues erleben. Etwas entdecken.
Aber noch wichtiger war mir etwas anderes.
Ich wollte diese Erfahrung alleine machen.
Nicht, weil ich niemanden dabeihaben wollte. Sondern weil ich tief spürte, dass ich einmal unterwegs sein wollte, ohne mich anzupassen. Ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Ohne Pläne von anderen.
Nur ich. Mein Rucksack und ich.
Ich wusste nicht genau, was ich suchte.
Aber ich hatte das Gefühl, dass da draußen noch mehr auf mich wartet. Und so bin ich nach Australien gereist.
Wenn ich heute daran denke, muss ich manchmal schmunzeln. Denn vieles war überhaupt nicht organisiert. Ich hatte kaum etwas im Voraus gebucht.
Und ehrlich gesagt: Mein Englisch war auch nicht wirklich besonders gut.
Aber irgendwie war genau das Teil dieser Reise.
Allein sein in einem fremden Land. Sich durchfragen mit Hand und Fuss. Sich orientieren.
Und immer wieder merken: Es geht irgendwie weiter.
Ich war damals eher schüchtern. Vorsichtig. Beobachtend. Ich habe mir vieles zuerst einmal angeschaut, bevor ich irgendwo hineingegangen bin. Aber gerade deshalb habe ich diese Reise vielleicht besonders intensiv erlebt.
Etwas hat mich besonders berührt.
Die Weite.
Ich komme aus den Bündner Bergen. Dort gibt es auch Weite – aber auf eine andere Art. Die Berge umarmen einen fast ein bisschen.
Doch in Australien stand ich plötzlich am Meer in «Bondi Beach» – mein erster Ort
Und da war nur diese unglaubliche Weite. Der Horizont. Das Wasser. Der Himmel. Die Sonnenuntergänge.
Und ich erinnere mich noch genau an diesen Moment, als ich dort stand und spürte, wie sich etwas in mir öffnete. Es war, als würde mein Herz plötzlich weiter werden.
Und ich hatte diesen Gedanken:
Vielleicht bin ich auch das. Vielleicht bin ich auch diese Weite. Oder sogar noch ein bisschen mehr davon.
Ein anderer Teil meiner Reise führte mich ins Outback. Diese Landschaft hat mich tief berührt. Die Weite. Die Stille. Das Licht. Die Natur. Die Formen und Farben.
Wir waren jeden Tag wandern. Draußen unterwegs. Wir haben unter freiem Himmel geschlafen. Die ersten Nacht eher ängstlich wegen all der Tiere die um uns sind. Die zweite Nacht schon viel entspannter und gelöster und dabei diesen unglaublichen Sternenhimmel bewundert.
Mein Heimweh hat schließlich dazu geführt, dass ich etwas früher zurückgekommen bin als ursprünglich geplant.
Und weißt du was?
Es hat sich trotzdem richtig angefühlt.
Ich habe diese Entscheidung ganz allein getroffen. Nur für mich. Und ich habe sie bis heute nie bereut.
Denn diese Reise hat mir etwas gezeigt. Man kann losziehen, um die Welt zu sehen.
Und plötzlich merkt man:
Man begegnet dabei vor allem sich selbst. Man entdeckt Seiten an sich, die man vorher vielleicht noch gar nicht kannte.
Mut.
Unsicherheit.
Neugier.
Offenheit.
Und manchmal auch diese stille Erkenntnis:
Dass das Leben größer ist, als man es bisher gesehen hat.
Und vielleicht ist das genau das, was Reisen manchmal mit uns machen.
Sie zeigen uns neue Orte.
Aber noch viel mehr zeigen sie uns neue Räume in uns selbst.
Und manchmal reicht ein einziger Moment –
ein Blick aufs Meer, eine Begegnung, ein Gespräch in der Weite der Landschaft – damit sich etwas in uns öffnet.
Und auch wenn diese Reise viele Jahre zurückliegt…
diese Weite, die ich damals gespürt habe, die trage ich bis heute ein kleines Stück in mir.
vielleicht kennst du auch solche Momente. Momente, in denen du plötzlich gespürt hast,
dass da noch mehr Raum ist in dir. Mehr Möglichkeiten. Mehr Leben. Mehr Du.
Und vielleicht erinnerst du dich heute wieder ein kleines bisschen daran.
Danke, dass du heute mit mir auf dieser Reise warst.
Bis zur nächsten Folge von Bündner Herz – ehrlich unterwegs.